In den Süden – Neuseeland

Dank der dicken Dokumentenmappe von Viviane schaffen wir es nach einigen langen Diskussionen mit diversen Flughafenangestellen und Zollbeamten nach Neuseeland einzureisen.
Angekommen in Christchurch treffen wir auf unsere italienischen Kollegen. Unser Team ist jetzt beinahe komplett – drei fehlen noch: der Physiker ist bereits in Concordia, der Koch kommt Mitte Dezember und der Stationleader Mitte Jänner nach. Bei angenehmen 18°C geht es zum International Antarctic Center für die Sicherheitsschulung bzw. das Überlebenstraining für den bevorstehenden Flug in die Kälte: Man stellt uns vor eine Kiste mit dem Notfallequipment des Fliegers und ein neuseeländischer Italiener erklärt begeistert, was wir tun, wenn wir irgendwo im Schnee landen müssen/abstürzen:

  • Was hab ich immer dabei damits nicht kalt wird? (ein Rückflugticket nach NZ?)
  • Wie bau ich mir ein Iglu? (er zeigt uns seine Lieblingsschaufel)
  • Was verwende ich um Essen zu machen? (Schnee. Primär immer Schnee. Und Treibstoff vom Flugzeug. Oder so.)
  • Wie zieh ich die anderen aus den Gletscherspalten wieder raus? (mit den Händen! Unter Anderem.)
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International Antarctic Center, Christchurch; Foto A. Razeto, © PNRA

Dann kommt die Information: der Flug am nächsten Tag wurde verschoben, statt um 7 Uhr starten wir um 14 Uhr, also haben wir gemütlich viel Zeit. Todmüde schleppen wir uns am Abend aufs Zimmer, die Vorfreude aufs erste Bett seit ca. 50 mehr oder weniger schlaflosen Stunden ist groß. Nachdem wir im Antarctic Center auch 2 große Taschen mit unsrer Polarbekleidung bekommen haben ist das Zimmer, das Coline (zukünftige Concordia-Glaziologin) und ich bewohnen, obwohl eigentlich für 4 Personen gedacht, jetzt kaum zu durchqueren (zusätzlich haben wir dort auch die 2 Gepäckwägen geparkt, die wir vom Flughafen ausborgten…), immerhin hat jeder jetzt 4 große Gepäckstücke plus Rucksäcke.

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genug Gepäck für die ersten drei Monate? Foto C.Possnig; © ESA/IPEV

Gefühlte Sekunden nachdem ich eingeschlafen war läutet plötzlich mein Handy, allerdings nicht der Wecker. Da die Verwirrung Dank Jetlag groß ist heb ich ab, am anderen Ende Florentin (zukünftiger Concordia-Klempner) vom Zimmer nebenan (zwecks flüssigen Lesens ist weiteres auf Deutsch übersetzt, ursprünglich tiefstes Französisch):

„Carmen, das Flugzeug!“
„Äh… hä?“
„Der Flug ist vorverschoben!“
„Hä?“
„Ihr müsst aufstehen!“
„Ah. Moment, wann?“
„Wir müssen um 8:45 beim Center sein!“
„Äh, und jetzt ist…?“
„8:20!“
„Coline, wach auf!!“

Es wurde dann ein eher stressiger Morgen. Wir haben natürlich nicht gepackt. Beim Versuch Auszuchecken war Colines Kreditkarte verschwunden (mein „die brauchst du in nächster Zeit eh nicht“ hat sie irgendwie wenig beruhigt). Während des Fluges müssen wir unser Polargewand tragen, also in voller Montur mit den Gepäckwägen zum Center keuchen. Kurz vorher fällt mir auf, dass einer unsrer Gruppe fehlte. Es stellt sich heraus, dass alle auf ihn vergessen hatten, dementsprechend war er nicht über den vorverlegten Flug informiert. Während wir versuchen ihn telefonisch zu erreichen rennt einer von uns Richtung Zimmer, um ihn mittels wildem Klopfen aufzuwecken. Alles erfolglos.

Ich finde ihn dann nach kurzer Suche beim Frühstück, Müsli in der einen, Tee in der andren Hand, leicht verwirrt dreinblickend und nach einigen Sekunden Konversation ebenfalls etwas gestresst.

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kurz vorm Weiterflug in die Kälte. Foto A. Bourre, © IPEV

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