Vorbereitet für den Winter

Der Sommer ist auch Zeit, um mit all unserem Sicherheitsequipment vertraut zu werden. Da wir den Winter über auf uns allein gestellt sind, müssen wir in Notfällen jederzeit für alles bereit und trainiert sein.

Nachdem ich feierlich zum Kapitän unsres Rescue Teams ernannt wurde beginne ich begeistert mit dem Training meiner Crew. An meiner Seite ist ein Notfallmediziner aus Paris, eigens für ein paar Wochen angereist um das neue Equipment zu testen und unsre Manöver zu verbessern. Ein Teil von uns ist im Rescue Team, also dafür zuständig, den Verletzten ins Krankenhaus zu bringen, wo der zweite Teil der Crew (das Hospital Team rund um unsren italienischen Arzt) bereits wartet ihn zu versorgen.

Ich starte mit Erste Hilfe Kursen, die sich erstaunlicherweise großer Beliebtheit erfreuen, auch unter den Sommerleuten. Mit dem erlangten Basiswissen können wir schließlich endlich auch draußen trainieren! Stundenlang kriechen wir also in Höhlen und auf Türme, um diverse Rettungsszenarien nachzustellen und für den Notfall einsatzbereit zu sein. Es ist nicht immer einfach, die Höhle zum Beispiel hat konstante -50°C (bald, sehr bald, werden wir uns nach solchen Temperaturen zurücksehnen) – das war zugegebenermaßen eventuell nicht die ideale Umgebung für den Start.

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Rescue aus der Sismohöhle; Foto C.Possnig, ©ESA/IPEV

Der Turm wiederum ist 45m hoch, oben ist es windig und wacklig, und, wiedermal, dezent kalt. Wir retten stolz diverse Dummies, sammeln wertvolle Erfahrungen und hoffen, dass wir diese im Winter nicht brauchen werden.

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Rescue vom American Tower; Foto C.Possnig, ©ESA/IPEV

Ebenfalls formiert wird ein Feuerwehrteam, ein OP-Team, und es gibt samstägliche Evakuationsübungen: diese sind besonders beliebt. Da geht es um die sogenannte Chaussettes: im Prinzip sehr sehr lange Socken, direkt hinter jedem Notausgang in jedem Stockwerk vorhanden, diese können innerhalb von Sekunden ausgefahren werden und reichen dann bis zum Boden. Im Falle eines Feuers kann man also so die Station verlassen, man schwingt sich da rein und runter. Das Ganze verlangt nach etwas Taktik, um nicht in der Mitte steckenzubleiben (unangenehm) oder viel zu schnell unten anzukommen (sehr unangenehm). Das Lager spaltet bald sich in zwei Hälften: diejenigen, die die Socke lieben, und die, die nur unter Protesten reinzubringen sind.

rein in die Chausette, und runter! Fotos C.Possnig, ©ESA/IPEV

Der Sommer also war mitunter schwierig. Gegen Ende wird es nicht einfacher – die Sommerleute sind müde von der Antarktis, die Winterovers sind müde von den Sommerleuten. Mit zunehmender Ungeduld erwarten wir also die Abreise der Gäste und den Beginn des Winters. Mit der, ebenfalls ungeduldig erwarteten, Ankunft unseres Stationleaders Cyprien Ende Jänner sind wir dem einen Schritt näher.

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Cyprien steigt mit breitem Grinsen aus der Twin Otter: jetzt sind wir 13! Foto A.Razeto, ©PNRA

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